07.02.2019

Workshop 4 und 5: Legionärssandalen (Caligae)

Am 20. Januar und am 3. Februar stand das Schuhwerk römischer Legionäre auf dem Programm des Workshops "Römer für Aliso". Zwei "Rekruten", Sascha P. aus Paderborn und Marc B. aus Haltern am See, berichten aus ganz unterschiedlicher Sichtweise über ihre Erfahrungen.

Sascha P.: Und daraus soll ein Schuh werden?

Caligae unter dem Marschtritt dieser römischen, eisenbenagelten Soldatenstiefel erzitterte einstmals die gesamte antike Welt. Und sogar ein römischer Kaiser, der unter Soldaten aufgewachsene Gaius, besser bekannt als Caligula, verdankt ihnen seinen Namen.

Steht man aber vor der Aufgabe, diese Stiefel für sich selber herstellen zu sollen, erzittert man zunächst eher selbst, und auch das darauf folgende Gefühl ist eher flau als kaiserlich. Schließlich macht man sich heutzutage seine Schuhe in den seltensten Fällen selbst. Und auch die Aussage des Centurios der I. Roemercohorte Opladen, dass das aber ein sehr optimistisches Unterfangen sei, machte nicht unbedingt mutiger. Denn für den 20. Januar standen Caligae auf dem "Stundenplan".

Beim Betreten unseres Raumes im LWL-Römermuseums Haltern wunderten sich zunächst einige über die ausgelegten Umrisse von Mantarochen oder Trilobiten auf einem Tisch. Unsinn natürlich. Das waren die Schablonen für unsere Caligae, wohlsortiert nach den gängigsten Größen. Kurz noch den Fuß draufstellen, das kundige Auge von Wolfgang von der Legio XIX abwarten, ob es so auch wirklich passt, und dann kann es losgehen.

Jeweils zu zweit, einer zum Festhalten der Schablone, einer zum Zeichnen, übertrugen wir die Umrisse auf ein großes Stück Leder. Dabei mussten wir darauf achten, nicht zu viel Zwischenraum zu lassen, um kein teures Leder zu verschwenden.
Dann ging es alleine ans ausschneiden. Mit Cuttern wurde zunächst grob der Umriss und anschließend etwas feiner der äußere Rand der Caligae ausgeschnitten. War dies erledigt, ging es ans Ausschneiden von Löchern und Aussparungen, die entweder der Ventilation dienen oder durch die später die Riemen gezogen werden, die den Stiefel oben zusammenhalten. Dabei zeigte sich, dass die Aufgabe nicht zum Zittern war, lediglich zeitaufwendig und etwas anstrengend für den Finger, mit dem Druck auf den Cutter gemacht werden musste (meiner war am Tag darauf noch taub). Mal sehen, ob dieser Eindruck auch noch vorhält, wenn wir unsere Werkstücke noch mit Sohle und Fußbett vernähen müssen. Und dann sind da ja noch die Nägel für die Sohle ...

Aufgrund des Gegensatzes zwischen benötigtem Material und anwesendem Personal der neu zu gründenden Legion konnten leider nicht alle schon an ihrem Schuhwerk arbeiten. Das machte aber nichts, da fast alle noch etwas zu nähen hatten oder ihre Gürtel nacharbeiten mussten. Außerdem sorgte ein Tisch mit Ausrüstungsmaterial der LEGIO XIX COHORS III schon für glänzende Augen, viel Interesse und Fachsimpelei mit den anwesenden Besitzern dieser Schmuckstücke.

Und sogar die Lokalpresse stattete uns an diesem Tag einen Besuch ab. Insgesamt ist aus diesem Tag also ganz bestimmt ein Schuh geworden ...

Sascha P., 45 Jahre, aus Paderborn.

Marc B.: Caligae - Sandalen, die die Welt erobern

Die Füße der 19. Legion sollen ja gut gerüstet sein, um die noch schwierigen Aufgaben meistern zu können. Somit ging es am heutigen Tage (03.02.) darum, die Grundlagen für die so berühmten römischen Sandalen zu legen. Die sogenannten Caligae waren ein perfekter Militärstiefel, der durch seine Beschaffenheit optimal im Gelände eingesetzt werden konnte und somit dem römischen Legionär optimale Dienste geleistet hat.

Was eine Caliga aushalten muss, konnten wir von Hans-Werner Berg von der I. Roemerchohorte Opladen erfahren. Er berichtete uns von seinen Erlebnissen, die er beim Marsch über die Alpen gemacht hat.

So ging es im ersten Schritt darum, das Grundgerüst der Caliga aus einem Stück Rinderleder zu schneiden (ca. 3mm dick). Hierzu musste zunächst die dem jeweiligen Rekruten passende Größe ermittelt und mit einer Vorlage auf das Leder aufgebracht werden.
Mit einem Cutter wurden dann alle Seiten sowie Zwischenräume säuberlich ausgeschnitten. Was im ersten Moment recht leicht von der Hand ging, forderte dann immer mehr Konzentration und wirkte sich schmerzhaft auf die Hand aus.
Eine Lochzange half dann die Stellen auszustanzen, die zu fein waren um diese mit dem Cuttermesser auszuschneiden.

Nach einer professionellen Anleitung konnten die ersten auch bereits beginnen, die einzelnen Teile zu vernähen. Um die Caligae fertigzustellen, werden wohl noch einige Termine notwendig sein. Im Folgenden wird die Ferse zunächst vernäht. Danach nochmals mit dem langen Streifen aus der Vorlage vernäht und wiederum im Inneren verstärkt. Zudem wird noch eine doppelte Sohle geklebt sowie genäht. Hier werden sicherlich noch weitere Erfahrungsberichte folgen.

Marc B., 39 Jahre, aus Haltern am See.

Kategorien: Aliso · Römer für Aliso

Schlagworte: Legionäre · Sandalen · Aliso · Caligae