18.12.2019

Workshop 9: Paludamentum, Cucullus, Paenula, Sagum – Römische Manteltypen unter der Lupe

Quo vadis, Cohors I?

Die Rekruten der Cohors I der Legio XIX sind zurück. Obwohl sich im Vergleich zur historischen XIX Legion Unterschiede ergeben, gibt es durchaus auch erstaunliche Parallelen: Während sich bei den Legionen im Winter früher wenig tat, verbrachte der größte Teil unserer frisch ausgehobenen Cohors I der Legio XIX – kampflos – in einer Sommerpause.

Römer für Aliso auf dem Römerfest in Bergkamen.

Andererseits wurden im Sommer, ganz wie vor 2000 Jahren, immer wieder Vexillationen der Cohors I verlegt, um andere Teile des römischen Heeres zu unterstützen und von den älteren Verbänden zu lernen. Unsere Reisen führten, entweder mit der Legio XIX Cohors III aus Bergkamen oder der Legio VI aus Opladen, nach Koblenz, Xanten, Karlsruhe und Bergkamen.

Aber zukünftig soll die Cohors I selbständiger werden: Wie das geht und wohin das führen soll, war Thema beim Wiedersehenstreffen am 28. und 29.09.2019.

Das erste Jahr hat die Cohors I praktisch ohne Verluste überstanden, eine gute Voraussetzung für neue Pläne. Schnell war klar, die meisten wollen eine militärische Laufbahn einschlagen - was die Fertigstellung der Ausrüstung, zukünftig aber auch den Bau von Kampfmaschinerie miteinschließen soll. Große Pläne also, aber Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut.

Schnell klar wurde aber auch: Bevor Germanien und dann der Rest der damaligen antiken Welt mit dem vollen Arsenal einer römischen Armee erobert werden kann, steht "Laufen lernen" auf dem Programm – in jeder Hinsicht

Zukünftig sollen bei regelmäßigen monatlichen Treffen sowohl ein Bewegungsniveau erreicht werden, dass die Bezeichnung "Marschieren" verdient, als auch die Herstellung neuen, authentischen Materials selbständiger angegangen werden.

Wie das funktionieren kann, zeigte Barbara Mönninghoff von der Legio VI (danke, Barbara!) anhand des Themas "Cucullus/Paenula" und mitgebrachter Literatur.

Barbaras "mobile" Literatursammlung.
Die Literaturanalyse: Möge das Lesen beginnen.

Römische Mäntel unter der Lupe

Für diejenigen, die bislang noch nicht in Universitätsbibliotheken nach seltenen Quellen recherchiert hatten, oder bei denen das bereits lange her war, war das absolutes Neuland und dementsprechend erkenntnisreich: Zum einen zeigte sich, dass es gar nicht so leicht ist, die richtige Fachliteratur zum Thema zu finden, denn simples Googlen hilft oft nicht weiter.

Lesen, lesen und noch mehr lesen.

Zum anderen gibt es durchaus Interpretationsspielräume der Quellen: Wie ist der Faltenwurf auf der Abbildung einer antiken Statue zu deuten? Welcher Stoff könnte als Vorlage gedient haben? Hatte das Gewand Ärmel oder nicht? Was verraten antike Texte, in denen Schafe aus bestimmten Regionen gelobt oder auch verdammt werden? Waren diese Schafe, beziehungsweise ihre Wolle, ungeeignet, oder war die negative Beschreibung dem Umstand geschuldet, dass der antike Autor dieser Region nicht wohlgesonnen war?

Das Arbeitsmaterial – Wollstoffe in verschiedenen Erdfarben.

Endlich war die Literatur gelesen, die wichtigsten Informationen gesammelt und der praktische Teil, die sehnsüchtig erwartete Experimentierphase, konnte beginnen. Oder etwa doch nicht?
Bevor es losging, wurden die Manteltypen, die für das römische Militär belegt sind, noch einmal kurz mit Name und Trageweise zusammengefasst. Es handelt sich um das paludamentum, das sagum, die paenula und den cucullus.

Der praktische Teil beginnt:

Das sagum galt lange Zeit als 'der' klassische Soldatenmantel, doch dann kam die paenula in Mode und verdrängte diesen Manteltypus. Bereits im 3. Jahrhundert erlebte das sagum jedoch erneut einen Höhenflug und mauserte sich zum Standartmantel der späten Kaiserzeit.

Der Mantel bestand aus einem rechteckigen Wolltuch, das häufig mit Fransen verziert war. Vor dem Anlegen musste zuerst eine der Schmalseiten bis etwa zur Hälfte übergeschlagen werden. Erst danach konnte diese Faltkante am Hals angelegt und mit einer Fibel verschlossen werden.

In das Sagum, fertig, los.

Der cucullus ist ein Schulterkragen mit Kaputze. Er diente, ebenso wie die Mäntel, zum Schutz vor schlechter Witterung. Die Länge konnte variieren. Es gibt Berichte von cuculli, die grade so bis zu den Schultern reichen, aber auch von Exemplaren, die bis auf die Brust herabfallen.

Anprobe eines Cucullus.

Das paludamentum war den Offizieren und Feldherren vorbehalten und bestach durch seine Purpurfärbung beziehungweise seine leuchtend rote Farbe. Der Mantel wurde einzig über die linke Schulter und den linken Unterarm drapiert, getragen und verdeutlichte den hohen Rang seines Trägers. Da diese Mäntel nicht sonderlich praktisch waren, ist anzunehmen, dass auch Offiziere im normalen Alltag bevorzugt ein sagum oder eine paenula getragen haben.

Den krönenden Abschluss macht der wohl populärste Militärmantel des 1. und 2. Jahrhunderts, die paenula. Spannend ist: Sie wurde nicht nur vom Militär, sondern auch von der Zivilbevölkerung gerne getragen.

Die paenula bestand aus einem gewalktem, lodenähnlichen Wolltuch und war halbkreisförmig geschnitten und im Frontbereich vom Hals bis zur Magengrube zugenäht. Bei schlechtem Wetter konnte der Legionär die spitz zulaufende Kaputze aufsetzen und war so auch im kalten, regnerischen Germanien warm eingepackt und gut vor Nässe geschützt.

Barbara und die vier Mantelträger*innen präsentieren: cucullus, paenula, paludamentum und sagum (v.l.n.r.)
Ein abschließendes Gruppenfoto: Welch ein Glück, die Arbeit ist vorbei...

Nach so viel Kampf mit den Deutungen unterschiedlicher Quellengattungen und den Herausforderungen der antiken Welt lud für den Rest des Samstagabends eine römische Tafel mit verschiedenen römischen Gerichten zum entspannten Zusammensitzen ein. Es gab Hähnchen mit Aprikosen, das Soldatengericht Puls, Mulsum und anderen Delikatessen passend zum Thema – gegessen wurde im antiken Rom schließlich auch, und ein leerer Magen kämpft nicht gut.

... und das römische Buffet ist eröffnet.

Markus (alias Marcus Flavius), 48 Jahre alt, Haltern am See

Kategorien: Aliso · Römer für Aliso

Schlagwort: