28.05.2021

Workshop 11: Vexillum

Einleitung

Die römische Armee war bestens organisiert, verfügte über eine klar gegliederte Rangordnung und auch ein hierarchisches System ihrer Feldzeichen, die sie signa nannten.

Das höchste Feldzeichen war der Legionsadler (aquila). Auch ein solcher ist für unsere Truppe in Planung. Aber darüber werden andere berichten.

Bislang haben wir uns ausgiebig mit unserer Ausrüstung beschäftigt und bei der Herstellung von Tuniken bis hin zu Schuhen und Gürteln schon viele Erfahrungen in der Verarbeitung von Leder, Metall und Stoff sammeln können.

Ich, Marcvs Rvfinivs Martialis, Legionär der neugegründeten Cohors I der Legio XIX, wollte mich  nachdem wir uns in unserer Truppe schon ausgiebig mit der Herstellung von Tuniken, Schuhen und Gürtel beschäftigt hatte und dabei viele Erfahrung in der Verarbeitung von Leder, Metall und Stoff gesammelt haben, an einem Feldzeichen versuchen, dem vexillum. Die Bezeichnung kommt vom lateinischen Wort velum (Segel) und zeigt schon, woraus das Feldzeichen gemacht war, nämlich Stoff, der mit einem Querholz an einem Lanzenschaft befestigt war. Zu den erhaltenen Überresten römischer vexilla und den überlieferten Darstellungen bietet die Dissertation von Kai Michael Töpfer von 2011 einen hervorragenden Überblick. Er schreibt zur Funktion und Verwendungsweise:

"Bei den Römern besaß das vexillum ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten ..., indem es als Fahne einer vexillatio ... , einer Auxiliareinheit oder einer Reiterabteilung ..., als Standarte der Veteranen ... oder als Attribut einer Gottheit oder Personifikation ... dienen konnte. Daneben markierte es den Standort des Oberkommandierenden ... und wehte am Admiralsschiff .... Ferner nutzten auch Kooperationen und Vereine ... ein vexillum als Standarte."

 

Und da schien es doch mehr als angemessen, dass auch die Cohors I der Legio XIX ein eigenes Vexillum bekam. 

Ein großer Dank gilt Wolfgang von der LEG XIX COH III, der uns im letzten Jahr das Fahnentuch mit der Abbildung eines Capricorn und unser Legions- sowie Kohortenbezeichnung geschenkt hat.

Abbildung des fertigen Vexillum.

Die Vorbereitung

Zur Vorbereitung auf unsere Aufgabe haben wir uns zunächst verschiedene Standarten angesehen. Mittels dieser Inspirationen, anhand unserer Vorstellungen und in Anlehnung an das Vexillum der Legio XIX COH III, haben wir unsere Entwürfe weiter verfeinert.

Tatsächlich gibt es verschiedene Quellenberichte und Darstellungen in der Literatur. Wir haben versucht, uns realistisch anzunähern. Als besonders hilfreich erwiesen sich hier Illustrationen auf Basis aktueller Forschungen.

Um das Projekt umzusetzen, haben wir uns zusammengesetzt, die jeweiligen Möglichkeiten erwogen und Aufgabenbereiche abgestimmt.

Schnell stand fest, dass das Vexillum eine Lanzenspitze bekommen und die Querstange unterhalb von dieser befestigt werden sollte. Außerdem entschlossen wir uns dazu dieselben Zierstreifen zu nutzen wie bei den Standarten der LEG XIX COH III und der LEG VI Victrix (I. ROEMERCOHORTE OPLADEN e. V.).

Die Herstellung

Nun mussten wir uns um das Verteilen der Aufgaben kümmern. Zuerst ging es an die Herstellung von Winkelblechen aus Messing, die zur Beschwerung des Fahnentuchs dienen sollen. Außerdem benötigten wir einen Lanzenschuh, die jeweiligen Holzstangen und noch einiges weiteres. So mussten beispielsweise noch die Anhänger aus Leder genäht und Zierelemente besorgt werden.

Letztere hat uns Wolfgang von der LEG XIX COH III organisiert. Vielen Dank auch hier noch einmal für die tatkräftige Unterstützung.

Der Zierstreifen aus Leder wird genäht.
Anbringen der Zierelemente

Nach dem Anbringen der Metallwinkel auf dem Fahnentuch und einem ersten Zusammenlegen von Zierstreifen und Fahnentuch konnte man schon erkennen, in welche Richtung es gehen sollte.

Die wichtigsten Teilbereiche schon einmal richtig zusammengelegt.

Nun kam der schwierigste Teil. Wir mussten uns überlegen, wie wir die Halterung für die Lederstreifen herstellen konnten Auch musste entschieden werden, welche Art von Anhängern wir für die Zierstreifen nutzen wollten.

Ausgerechnet jetzt kam uns der Corona-Lockdown in die Quere. Eine Weiterarbeit als Gruppe war daher leider nicht mehr möglich. Glücklicherweise hatten wir uns bereits auf das grundlegende Aussehen geeinigt.

In dem Buch "Roman Standards & Standard Bearers (1): 112 BC - 192 AD" von Raffaele D'Amato waren wir schließlich auf einen Anhänger gestoßen, den wir als Vorbild wählten. Der Anhänger hat eine Tropfenform und wurde mit einem Messingblech befestigt, welches wiederum an die Zierstreifen genietet wurde.

Die Anhänger sind am Zierstreifen befestigt.

Zwischenzeitlich war auch die Lanzenspitze eingetroffen. Doch leider lief nicht alles wie geplant. Die erste Aufhängung ist leider bei der Befestigung der Querstange zerbrochen und konnte nicht mehr repariert werden. Also starteten wir einen neuen Versuch.

Dieses Mal wurden die Einzelteile verzinnt und erhielten dadurch eine höhere Stabilität. Auch die Kupferteile, die aus Rohrelementen bestanden, hatten wir anders zusammengesetzt und damit die optimale Lösung für unser Problem.

Die Seitenelemente sind angebracht. Als nächstes folgt die Halterung für die Zierstreifen.

Nun mussten noch die Zierstreifen aus Leder befestigt werden.

Zunächst war nicht klar, wie wir dies am besten umsetzen. Zuerst wollten wir Nieten hindurchführen, welche dann am anderen Ende plattgeschlagen werden. Leider war dies in der Umsetzung nicht so einfach möglich, zumal die Länge und Befestigung eine Herausforderung war.

Während dieser Problematik erinnerten wir uns an die Aufhängung des Vexillum der LEG XIX COH III. Sofort war klar, daran orientieren wir uns. So haben wir für die Halterung ebenfalls ein halbrundes Messingblech ausgeschnitten, mit einem Loch versehen und verzinnt. Anschließend wurde es an die Seitentüllen angebracht.

Die Halterung in Rohform...
...und die fertig verzinnt und angebracht.

Schlussendlich mussten die übrigen Elemente zusammengebracht werden, wobei auch noch ein Messingblech am oberen Ende des Zierstreifens erforderlich war, das über einen Messingring in die jeweilige Halterung eingehängt wurde.

Herstellung der Messinghalterung.
Die Messinghalterung an ihrem Platz.

Abschließend wurden nur noch Speerspitze und Querstange mittels eines Nagels und eines Lederbandes zusammengefügt. Und schon hatte auch die LEG XIX COH I ihre erste Standarte.

 

Marc, alias: Marcvs Rvfinivs Martialis, 41 Jahre, aus Haltern am See

 

 

Literatur:

- Kai Michael Töpfer, Signa Militaria. Die römischen Feldzeichen in der Republik und im Prinzipat. Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Band 91. Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 2011. 498 Seiten, 151 Tafeln

- Raffaele D'Amato, Roman Standarts & Standart-Bearers (1). 112 BC-AD192. Reihe Osprey - Elite, Band 221. Osprey Publishing Ltd., Great Britain 2018. 64 Seiten.

- Marcus Junkelmann, Die Legionen des Augustus. Herbert Utz Verlag GmbH, München 2015. 416 Seiten.

- Andreas Strassmeir; Andreas Gagelmann, Das Heer des Varus. Römische Truppen in Germanien 9 n. Chr. Teil 2: Waffen, Ausrüstung, Feldzeichen, Reiterei, Verbände und Einheiten. Reihe HW Heere & Waffen, Band 17, Zeughausverlag GmbH, Deutschland 2012. 64 Seiten.

- Andreas Strassmeir; Andreas Gagelmann, Das Heer des Varus. Römische Truppen in Germanien 9 n. Chr. Teil 1: Legionen und Hilfstruppen, Bekleidung, Trachtzubehör, Schutzwaffen. Reihe HW Heere & Waffen, Band 14, Zeughausverlag GmbH, Deutschland 2011. 64 Seiten.

Kategorie: Römer für Aliso

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