Vom Wolf zum Würdenträger: Präparation eines Wolfsfells für den Feldzeichenträger der Legio XIX

01.04.2026 Josef Mühlenbrock

Ein Zeichen imperialer Macht – Der Feldzeichenträger in der römischen Armee

In der römischen Legion gab es verschiedene Feldzeichen, die als sichtbare Zeichen von Macht, Ordnung und Zusammenhalt in der Schlacht mitgeführt wurden. Diese sogenannten Signa dienten den Soldaten nicht nur zur Orientierung auf dem Schlachtfeld, sondern waren zugleich wichtige Identifikationssymbole ihrer Einheit.

Das bedeutendste Feldzeichen war der Legionsadler (Aquila), den der Primus Pilus, der ranghöchste Centurio einer Legion trug. Daneben gab es aber auch weitere Standarten mit anderen Tierfiguren, Feldzeichen mit Kaiserbildnissen oder Signa für bestimmte Truppeneinheiten.

Besonders auffällig waren jedoch die Feldzeichenträger selbst: Auf ihren Helmen trugen sie imposante Tierfelle, die schon von weitem sichtbar waren. Diese Felle hatten nicht nur dekorativen Charakter, sondern standen symbolisch für Stärke, Mut oder göttlichen Schutz.

Die Tiere repräsentierten Charaktereigenschaften, Ideale und mythologische Wurzeln Roms. Damit erfüllten sie eine wichtige rituelle und identitätsstiftende Funktion innerhalb der Legionen.

Überliefert sind unter anderem Felle von Löwen, Bären und Wölfen. Gerade der Wolf spielte für die Römer eine besondere Rolle. Neben Eigenschaften wie Stärke, Wildheit, Klugheit und Geschicklichkeit verwies er auch auf die mythische Herkunft Roms. Denn der Legende nach wurden die Stadtgründer Romulus und Remus von einer Wölfin gesäugt. So verstanden sich auch die Legionäre symbolisch als Nachkommen der „Wölfe Roms“.

Auch für unsere hauseigene Reenactment-Gruppe „Römer für Aliso“, die die Cohors I der Legio XIX verkörpern war es deshalb ein lang gehegter Wunsch, die Ausstattung ihres Feldzeichenträgers möglichst authentisch zu gestalten.

Jetzt ist dieser Wunsch Wirklichkeit geworden – dank der Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Präparator.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Geschichte trifft Zoologie

Die Umsetzung dieses außergewöhnlichen Projekts wäre ohne fachkundige Unterstützung nicht möglich gewesen. Hilfe kam von Aminul Islam, dem Leiter der zoologischen Präparationswerkstatt des LWL-Museums für Naturkunde in Münster.

Er verfügt über langjährige Erfahrung in der konservierenden Präparation unterschiedlichster Wildtiere – von heimischen Arten bis hin zu exotischen Exemplaren.

Aminul Islam stellte sich der Herausforderung, ein echtes Wolfsfell so aufzubereiten, dass es den Ansprüchen der Reenactment-Gruppe sowohl historisch als auch praktisch gerecht wird: tragbar, robust, eindrucksvoll – und zugleich möglichst authentisch. Dabei wurde großer Wert auf eine respektvolle und fachgerechte Verarbeitung gelegt.

Vom Rohfell zum Repräsentationsstück: Der Präparationsprozess

 

Für uns war natürlich die kontrollierte Herkunft des Fells besonders wichtig. Deshalb wurde ein Wolfsfell aus der Mongolei ausgewählt, für das eine gültige CITES-Bescheinigung vorlag. Diese Dokumente funktionieren gewissermaßen wie ein „Personalausweis“ für geschützte Tiere und kontrollieren deren legalen Im- und Export.

Es handelte sich um das bereits entfettete und gegerbte Fell eines Canis lupus.

Die Haut war zwar gegerbt, jedoch vermutlich nicht optimal verarbeitet worden. Dadurch war ihre Elastizität eingeschränkt. Zudem erwies sie sich im Verhältnis zum 3D-gedruckten Schädel als leicht zu klein. Gerade diese Kombination machte die Arbeit besonders anspruchsvoll: Die stark ausgetrocknete Haut musste flexibel gemacht und gleichzeitig passgenau auf den Schädel angepasst werden.

Zunächst wurde die Haut im Kopfbereich sorgfältig vom roten Futterstoff befreit. Anschließend erfolgte ein schrittweises Einweichen mit geeigneten Materialien und Verfahren, um die notwendige Flexibilität wiederherzustellen. Danach wurde die Haut von innen ausgedünnt, um sie noch geschmeidiger zu machen.

Parallel dazu wurde der Schädel überarbeitet. Fehlende Muskelpartien wurden mithilfe von PU-Schaum ergänzt und anatomisch korrekt modelliert. Die künstlichen Augen wurden präzise in die Augenhöhlen eingesetzt, und die umliegende Muskulatur entsprechend ausgearbeitet.

Im nächsten Schritt wurde ein spezieller Klebstoff aufgetragen, damit die Haut exakt positioniert und dauerhaft fixiert werden konnte. Anschließend zog man die vorbereitete Haut vorsichtig über den Schädel und richtete sie sorgfältig an den anatomischen Bereichen aus.

Nach dem Trocknungsprozess wurden schließlich der Nasenspiegel modelliert und farblich angepasst. Damit war der Wolfskopf fertiggestellt – bereit für die Montage auf dem Helm des Feldzeichenträgers.

Ein Wolf für Aliso – Geschichte hautnah erleben

Das fertig präparierte Wolfsfell wird künftig regelmäßig bei Veranstaltungen, den Römertagen und museumspädagogischen Einsätzen zu sehen sein – getragen vom Feldzeichenträger der „Römer für Aliso“.

Besonders Kinder und Schulklassen können so die Welt der römischen Legionen noch unmittelbarer erleben. Das Wolfsfell macht sichtbar, wie wichtig Symbole, Rituale und Zugehörigkeit im römischen Heer waren.

Gleichzeitig vermittelt das Projekt auch Wissen über Wildtiere, Präparationstechniken und die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Museumswelt.

Fazit: Ein Symbol lebt wieder auf

Mit der Präparation des Wolfsfells hat das LWL-Römermuseum ein weiteres Stück römischer Wirklichkeit greifbar gemacht. Dank der Unterstützung von Aminul Islam vom LWL-Museum für Naturkunde entstand ein beeindruckendes, originalgetreu gestaltetes Ausstattungsstück, das Geschichte auf besondere Weise lebendig werden lässt – an der Schnittstelle von Archäologie, Tierpräparation und moderner Museumsvermittlung.


 

Literatur:

S. Zehetner, Der Signifer. Stellung und Aufgaben in der Kaiserzeitlichen Armee, Diplomarbeit (Magister der Philosophie), Wien 2009.

K. Töpfer, Signa Militaria. Die römischen Feldzeichen in der Republik und im Prinzipat, Dissertation, Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 91, Mainz 2011.

Kategorie: Römer für Aliso

Schlagworte: Legionäre · Reenactment